Die systemische Grundhaltung
In der systemischen Beratung schauen wir nicht isoliert auf das, was dich gerade beschäftigt, sondern immer auf den Zusammenhang: deine Beziehungen, deine Erfahrungen, deine Lebensumstände. Innere Konflikte, Probleme und seelische Herausforderungen stehen häufig in Wechselwirkung mit dem, was beruflich, familiär, partnerschaftlich oder gesellschaftlich um dich herum wirkt. Dazu gehören auch Erfahrungen von Ausgrenzung und Rassismus — sie sind kein individuelles Problem, sondern wirken von außen in dich hinein.
Systemische Methoden helfen dabei, den Blick zu erweitern und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Wir schauen gemeinsam nicht nur auf ein einzelnes Problem, sondern auch auf Beziehungen, Rollen, Muster und Wechselwirkungen in deinem Leben.
Durch Fragen, Perspektivwechsel, Aufstellungen oder Visualisierungen können neue Sichtweisen entstehen. So wird oft klarer, welche Dynamiken dich beeinflussen, welche Ressourcen bereits da sind und welche nächsten Schritte möglich werden.
Diese Haltung ist die Grundlage. Die folgenden Ansätze bauen darauf auf.
Das System der Inneren Familie (IFS)
IFS geht davon aus, dass wir nicht nur „eine“ innere Stimme haben, sondern aus verschiedenen inneren Anteilen bestehen. Vielleicht kennst du das Gefühl: Ein Teil von mir möchte etwas verändern — ein anderer hält mich zurück.
Diese Anteile können ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Manche schützen uns, manche kritisieren, manche wollen Kontrolle behalten, andere tragen verletzte Gefühle, Angst, Scham oder Traurigkeit in sich. IFS geht davon aus, dass auch schwere oder belastende Anteile ursprünglich eine gute Absicht hatten und uns auf ihre Weise schützen wollen.
Daneben gibt es im IFS die Idee des Selbst — ein innerer Zustand, aus dem heraus wir unseren Anteilen mit mehr Ruhe, Klarheit, Mitgefühl und Offenheit begegnen können. Das Selbst muss nicht erst erschaffen werden, es ist bereits da, kann aber durch starke Gefühle, innere Konflikte oder Schutzmechanismen überdeckt sein.
In der Beratung begegnen wir diesen Anteilen achtsam, verstehen sie besser und erkunden ihre Beziehung zueinander. Ziel ist nicht, Anteile loszuwerden, sondern mehr innere Klarheit, Mitgefühl und Selbstführung zu entwickeln. Dabei arbeiten wir oft mit Fragen wie:
- Wo spürst du diesen Anteil im Körper?
- Wie zeigt er sich?
- Was möchte er für dich tun?
- Wovor versucht er dich zu schützen?
- Was braucht er, um mehr Vertrauen zu entwickeln?
IFS kann besonders hilfreich sein, wenn du wiederkehrende innere Konflikte, starke Gefühle, Selbstkritik, Ängste, Beziehungsmuster oder alte Verletzungen besser verstehen möchtest.
Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie
Dieser Ansatz schaut auf die Dynamik in Beziehungen — zwischen Menschen, die einander nahe sind, ebenso wie in der Beziehung zu dir selbst. Wie entstehen Nähe und Distanz? Welche Muster wiederholen sich? Und was passiert mit Begehren und Sexualität, wenn sich eine Beziehung — oder du selbst — über die Zeit verändert?
Sexualität wird dabei nicht als isoliertes Thema behandelt, sondern als Teil einer Beziehungsdynamik — verbunden mit Vertrauen, Verletzlichkeit und Grenzen. Das gilt unabhängig davon, wie du deine Beziehungen lebst: zu zweit, in mehreren Verbindungen oder in einer Form, die sich gerade erst findet — und genauso für dein Verhältnis zum eigenen Körper und Begehren.
Wenn etwas nicht so läuft, wie es soll, ist schnell von Funktionsstörungen die Rede. Uns interessiert eher die Funktion der Störung: Wozu könnte sie gut sein, wovor schützt sie? Oft ergibt sie im Zusammenhang deines Lebens mehr Sinn, als es zunächst aussieht. Die Frage ist dann weniger, was funktionieren müsste — sondern was du eigentlich möchtest.
So entsteht Raum, offen und ohne Bewertung über Wünsche, Unsicherheiten und Grenzen zu sprechen: bei unterschiedlichem Begehren, Fragen nach Absprachen, Eifersucht, Distanz oder nach Verletzungen — oder wenn du für dich allein einen freieren Zugang zu deiner Sexualität suchst.
Scham, Erwartungen und alte Prägungen melden sich bei sexuellen Themen besonders deutlich zu Wort. Auch hier arbeiten wir gut mit inneren Anteilen.
Der Körper als Zugang
Der Körper ist für mich kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Element systemischer Arbeit. Vieles von dem, was wir erlebt haben, ist nicht als Gedanke gespeichert, sondern als Anspannung, Haltung, Atemmuster oder als ein Gefühl von Enge, Druck und Erschöpfung. Der Kopf weiß oft längst, was zu tun wäre — und der Körper macht trotzdem etwas anderes.
Deshalb beziehe ich Atem, Haltung, Bewegung und Stimme aktiv mit ein — das, was in der Fachsprache Embodiment heißt: die Erfahrung, dass Denken, Fühlen und Körper nicht zu trennen sind. Über sie lassen sich innere Zustände nicht nur verstehen, sondern auch verändern. Kleine Übungen aus der Körperarbeit können mehr Kontakt zu deinen Bedürfnissen, Grenzen und Ressourcen herstellen, als Reden allein es könnte.
Das verbindet sich mit den anderen Ansätzen: In der Arbeit mit inneren Anteilen ist die Frage „Wo spürst du das im Körper?“ oft der direkteste Zugang. Und in der Beziehungsdynamik zeigen sich Nähe, Distanz und Grenzen fast immer zuerst körperlich — lange bevor Worte dafür da sind.
Veränderung geschieht so nicht nur über Verstehen, sondern über neues Erleben.
The systemic foundation
In systemic counselling we don’t look at what is on your mind in isolation, but always at the wider context: your relationships, your experiences, your life circumstances. Inner conflicts, problems and emotional challenges often interact with what is at work around you — professionally, in your family, in partnership or in society. This includes experiences of exclusion and racism: they are not an individual problem, but something acting on you from outside.
Systemic methods help to widen the view and make connections visible. Together we look not only at a single problem, but also at relationships, roles, patterns and interactions in your life.
Through questions, shifts of perspective, constellations or visualisations, new ways of seeing can emerge. It often becomes clearer which dynamics are influencing you, which resources are already there, and which next steps become possible.
This stance is the foundation. The approaches that follow build on it.
Internal Family Systems (IFS)
IFS assumes that we don’t have just “one” inner voice, but consist of various inner parts. You may know the feeling: one part of me wants to change something — another holds me back.
These parts can have very different roles. Some protect us, some criticise, some want to stay in control, others carry hurt feelings, fear, shame or sadness. IFS assumes that even difficult or burdensome parts originally had a good intention and are trying to protect us in their own way.
Alongside these parts, IFS holds the idea of the Self — an inner state from which we can meet our parts with more calm, clarity, compassion and openness. The Self doesn’t have to be created first; it is already there, but can be obscured by strong feelings, inner conflicts or protective mechanisms.
In counselling we meet these parts attentively, understand them better and explore their relationships with one another. The aim is not to get rid of parts, but to develop more inner clarity, compassion and self-leadership. We often work with questions such as:
- Where do you sense this part in your body?
- How does it show itself?
- What does it want to do for you?
- What is it trying to protect you from?
- What does it need in order to build more trust?
IFS can be especially helpful if you want to better understand recurring inner conflicts, strong emotions, self-criticism, fears, relationship patterns or old injuries.
Relationship-dynamic couples and sex therapy
This approach looks at the dynamics within relationships — between people who are close to one another, as much as in the relationship with yourself. How do closeness and distance come about? Which patterns repeat themselves? And what happens to desire and sexuality when a relationship — or you yourself — changes over time?
Sexuality is not treated as an isolated topic here, but as part of a relational dynamic — bound up with trust, vulnerability and boundaries. This holds regardless of how you live your relationships: as a couple, across several connections, or in a form that is only just taking shape — and just as much for your relationship to your own body and desire.
When something isn’t working as it should, people quickly speak of dysfunction. We are more interested in what the so-called dysfunction is doing: what might it be good for, what is it protecting you from? Seen in the context of your life, it often makes more sense than it first appears. The question then becomes less what ought to function — and more what you actually want.
This creates room to speak openly and without judgement about wishes, uncertainties and boundaries: with differing desire, questions of agreements, jealousy, distance or after hurt — or when you are looking, on your own, for a freer relationship to your sexuality.
Shame, expectations and old imprints make themselves heard particularly clearly around sexual themes. Here too we work well with inner parts.
The body as a way in
For me the body is not a side stage, but a central element of systemic work. Much of what we have lived through is not stored as thought, but as tension, posture, breathing patterns, or as a sense of tightness, pressure and exhaustion. The head often knows perfectly well what would need to happen — and the body does something else anyway.
That is why I actively involve breath, posture, movement and voice — what is known in the field as embodiment: the experience that thinking, feeling and the body cannot be separated. Through them, inner states can not only be understood but also changed. Small exercises from body work can create more contact with your needs, boundaries and resources than talking alone could.
This connects with the other approaches: in working with inner parts, the question “Where do you sense this in your body?” is often the most direct way in. And in relationship dynamics, closeness, distance and boundaries almost always show up in the body first — long before there are words for them.
Change then happens not only through understanding, but through new experience.
Weitere Ansätze
Je nach Thema fließen zusätzlich mit ein:
Further approaches
Depending on the theme, these also flow into the work:
Hypnosystemik
Hypnosystemic work
Verbindet systemisches Denken mit hypnotherapeutischen Zugängen: innere Suchprozesse anregen, hilfreiche Bilder entwickeln und unbewusste Ressourcen zugänglich machen — über Sprache, Imagination und Körperempfinden.
Combines systemic thinking with hypnotherapeutic approaches: stimulating inner search processes, developing helpful images and making unconscious resources accessible — through language, imagination and bodily sensing.
Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)
Zurich Resource Model (ZRM)
Hilft, eigene Ziele nicht nur mit dem Kopf zu verstehen, sondern emotional und körperlich zu verankern. Aus vagen Wünschen werden so Haltungsziele, die dich im Alltag wirklich tragen.
Helps you understand your goals not only with your head, but anchor them emotionally and physically. Vague wishes become attitudinal goals that genuinely carry you in everyday life.